Wanderschuhe, Wein und Geschichte rund um Lorch im Rheingau

 

Nach dem wir die letzten Jahre in Mittelgebirgsregionen wandern waren, haben wir uns 2016 für eine Weinbauregion entschieden. Da wir schon lange mit einem Besuch in Rüdesheim liebäugelten, fiel die Wahl auf den Rheingau und hier auf das kleine, beschauliche Städtchen Lorch. Zum Auftakt trafen wir uns am Rhein, wo Hans uns mit einem fulminanten Frühstück empfing. Gestärkt brachen wir zu unserer ersten Wanderung auf, die uns auf dem Rheinsteig von Lorch nach Kaub führte. Der Rheinsteig verlässt Lorch mit einem steilen Aufstieg zum Nollig (331m), auf dem die gleichnamige Ruine als Teil der geplanten Stadtbefestigung wacht. Die Ruine Nollig ist in privater Hand und kann nur von außen besichtigt werden.

 

Der Aufstieg wurde belohnt mit einer abwechslungsreichen, genussvollen Wegführung hoch über dem Rhein. Der Rheinsteig nähert sich dem Niederthal, einem historischen Grenzbach, der heute die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz trennt. Der Rheinsteig verlässt das Niederthal mit einem kräftigen Anstieg über die Serpentinen des Paul-Claus-Pfads hinauf. Wir haben tolle Natureindrücke beim Durchwandern von zwei sehr schönen Bachtälern mitgenommen.

 

Zuvor hat der Rheinsteig auf seinen Pfaden öfters den Blick auf eine kleine Rheininsel mit einer Burg freigegeben. Es handelte sich dabei um die Pfalz bei Kaub, den Pfalzgrafenstein. Sie diente als Schutzstelle, um sicherzustellen, dass Rheinschiffer auch wirklich ihre Zollgebühren in Kaub zahlen. Burg Pfalzgrafenstein gehört neben der Marksburg und der Burg Boppard zu den wenigen nie zerstörten Burgen im oberen Mittelrheintal.

 

Nach einem kurzweiligen Aufenthalt in einer Weinwirtschaft in Kaub traten wir die Rückkehr mit der Bahn nach Lorch an. Hier erwartete uns ein Hotel mit einer außergewöhnlichen Vergangenheit. Das Hotel Schulhaus wurde bis 2006 als Schule genutzt und dann in ein Hotel umgebaut. Am alten Treppenhaus kann man noch die Spuren vergangener Zeiten erkennen. Abends besuchten wir die Weinwirtschaft Laquai, die uns nicht nur regionale Gerichte servierte, sondern auch erlesene Weine aus dem eigenen Haus.

 

Der Samstag ist traditionsgemäß immer einer großen Wandertour gewidmet und die hatte es diesmal in sich. Nicht unbedingt wegen der Streckenlänge von ca. 22 km, sondern die hohe Temperatur machte uns schaffen. Wir starteten in Rüdesheim mit einer Gondelfahrt zum Niederwalddenkmal, mit der 1883 eingeweihten Germania.

Der Rheinsteig führt am Südrand des Landschaftsparks Niederwald zur Rossel, einem Aussichtsturm in Form einer künstlichen Ruine, von der aus wir einen umwerfenden Blick ins Rheintal genießen konnten. Schließlich erreicht man das Jagdschloss Niederwald. Der nun folgende steile Abstieg führte uns nach Assmannshausen, die Rotweininsel im Rheingau. Hier werden zu 90% Spätburgunderreben kultiviert, dem schon hohe Gäste im 19. Jahrhundert zusprachen.

 

Richtig steil wird der Rheinsteig dann beim Anstieg zum Eckersteinkopf (248m). Der Pfad geht über in einen Panoramaweg mit wunderbaren Ausblicken. Am Bacharacher Kopf (342m) vorbei geht es weiter bis zum Teufelskadrich (416m), einem steilen Schieferfelsen, auf dem der Teufel hausen soll. Wir wurden für die schweißtreibende Etappe abermals mit einer hervorragenden Sicht auf Burg Reichenstein belohnt.

 

Bevor im Rhein der Lorcher Werth erscheint, sieht man am gegenüberliegenden Ufer Burg Sooneck. Dann macht der Rheinsteig noch einmal eine Schleife in den Bächergrund hinein und erreicht wenig später das Etappenziel Lorch. Was aber nicht zu toppen war bei all diesen Eindrücken und Aussichten, war die organisierte Rast. Mitten im Weinberg haben wir die Weinprobe vom Vorabend fort gesetzt. Unser Winzer kam mit ein paar Flaschen eines leichten Weiß-Weines und Wasser und Hans hat uns wie immer fürstlich mit „Häppchen“ versorgt. Genau zum richtigen Zeitpunkt, danach konnten wir gestärkt auch noch das letzte Stück Wanderung hinter uns bringen.

 

Die hohen Temperaturen haben trotzdem bei einigen doch sichtbare Spuren hinterlassen. Wir alle freuten uns daher auf eine kalte Dusche (nicht alle haben wollten eine kalte Dusche J) und am Abend auf den leckeren Wein. Neben einigen Weinwirtschaften hat Lorch auch eine sehenswerte Pfarrkirche (St. Martin) aus dem Jahr 1483 zu bieten. Der Hochaltar des Meisters Hans von Worms gilt als größter geschnitzter Altar in Deutschland.

 

Am Sonntag stand Rüdesheim auf dem Programm. Aber keine klassische Stadtführung, sondern eine erholsame und informative Fahrt mit dem Winzerexpress. Die Fahrt endete am Brömserhof, einer der schönsten Adelshöfe in der Rüdesheimer Altstadt. Zwar haben im Laufe der Jahrhunderte manche Eingriffe das Aussehen des Brömserhofes verändert, doch besticht er noch immer als gelungenes Beispiel spätmittelalterlicher Wohnkultur. Heute beherbergt der Brömserhof eine der umfangreichsten und bedeutendsten Privatsammlungen mechanischer Musikinstrumente in Europa (ca. 300 Instrumente).

 

Mit so vielen Eindrücken, einem Lächeln auf dem Gesicht und bei strahlendem Sonnenschein sind wir dann am Rhein zurück nach Bad Honnef gefahren – und nein, bei der Rückfahrt haben auch alle keine Fähre genommen und sind dem Rat von Gisela gefolgt: „Immer schön auf dieser Rheinseite bleiben, nicht auf das Navi hören.“

 

Wir fanden, es war ein wirklich gelungenes Wander-Wochenende mit euch.

Gisela & Bernhard



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